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13 Häuser gründen Hausvereine zur Übergabe der Häuser an STATTBAU.

Die Hausvereine existieren auch heute noch und dienen den Hausgemeinschaften als formaler Rahmen bei der Vertretung nach außen. So existiert z. B. seit 1982 in der Manteuffelstr. 40/41 der Verein ManCo e.V., welcher ab 1988 mit der Luisenstadt eG. einen Hauptmietvertrag hatt.

lm Zusammenhang mit der Arbeit an den Blockplänen und der umfassenden Bewohnerbefragung und -beteiligung entwickelte die Arbeitsgruppe der Altbau - IBA die 12 Grundsätze zur behutsamen Stadterneuerung, - kurz die 12 Grundsätze genannt - , deren Anerkennung nach langen Diskussionen durch den Bausenator Rastemborski (CDU) im April 1982 und die Übernahme dieser als Leitlinie der Stadterneuerung durch das Berliner Abgeordnetenhaus am 18. März 1983 das Abrücken von den alten Stadterneuerungsvorstellungen durch Abriss und Neubau manifestierten.                                                                              

Der Forderung der Bewohner, insbesondere der Besetzer nach einem neuen Sanierungsmodell mit Bewohnerbeteiligung im Block 103,  stand nun rechtlich nichts mehr im Wege, denn der Grundsatz 11 verlangt nach Entwicklung  neuer Trägerformen. Somit gründete sich im Februar 1982, 2 1/2 Jahre nach dem Rücktritt der SAMOG der bewohnermitbestimmte Sanierungsträger STATTBAU GmbH.

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S.H.I.K  (Selbstverwaltete Häuser in Kreuzberg) Im Juni 1982 von Vertretern von Initiativen, Kirchengemeinden und Besetzern als alternativer Sanierungsträger gegründet.

1983 daran gescheitert, dass der Verband der Berliner Wohnungsbaugenossenschaften ihnen die Anerkennung als Genossenschaft durch Auflagen erst erschwerte und letztendlich verweigerte (VEREIN SO36 E. V., 63 f u. 67).

(...) 

Auch die NETZBAU GmbH, am 13.05.1982 mit dem Ziel gegründet, die besetzten Häuser für das Land Berlin aufzukaufen und an die Besetzergruppen Erbbauverträge zu vergeben, löst sich am 11.12.1982 wieder auf, da der Senat aufgrund seines Verhaltens nicht mehr als Verhandlungspartner akzeptiert wurde; es hatten Räumungen bei Häusern stattgefunden, für die sich NETZBAU eingesetzt und bereits in Verhandlungen mit dem Senat befunden hatte. Es ging um Häuser in der Maaßenstraße in Schöneberg). 
                       
Die Übernahme der besetzten Häuser durch den neu gegründeten alternativen Sanierungsträger STATTBAU war letztendlich nur eine Notlösung für die Besetzer, da die fortwährenden Räumungen Druck machten und eine Handlungsoffensive erforderten (ebd., 2 f). Die STATTBAU GmbH als vermeintliches 'Befriedungsinstrument' des Senats und auch die enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Altbau der IBA wurden daher auch oft - besonders von der radikaleren Szene kritisiert.
Der Aufsichtsrat bei STATTBAU wies folgende Besetzung auf: 50% der Stimmen hatten die Bewohner, 25% der Stimmen die Gesellschafter Leben im Stadtteil e. V. (L.I.S.T. e. V.) und 25% der Stimmen haften der Mieterverein, die  Arbeitnehmer sowie die Kirchengemeinden (TRISOLINI, 2).   
                                           
Die 13 Häuser gründeten 1982 zur Übergabe der Häuser an STATTBAU Hausvereine. Jedes Haus wählte zur Vertretung der Hausinteressen in dem Aufsichtsrat von STATTBAU Personen ihres Vertrauens, die dann, -  nach dem basisdemokratischen Ideal - , entsandt werden sollten. Somit erhielten die Bewohner der verwalteten Häuser 50 % der Aufsichtsratsmandate, nahmen an den Aufsichtsratsitzungen sowie an den 3-wöchigen informellen Treffen teil. Die Hausvereine übernahmen auch die Verantwortung und Regie der Instandsetzungsmaßnahmen, die vor der offiziellen Sanierungsphase durch STATTBAU stattfanden.                                                                                        
                                                                                                                                           
Andere Aufgaben eines Hausvereins waren z. B. regelmäßig durchgeführte Hausversammlungen bzw. Hausplena, ein typisches basisdemokratisches Organ von alternativen Bewegungen und Hausbesetzern.
                                                                                       
In der Manteuffelstr. 40/41 findet das Hausplenum nach wie vor statt – nicht mehr wie früher einmal in der Woche, sondern nur noch am ersten Montag des Monats. Hier werden einerseits hausinterne Probleme und Organisationsfragen angesprochen, andererseits der administrative Bereich eines Vereins geklärt.                                                                                   
                                                                                                                                           
Einige der Bewohner der besetzten Häuser hatten aber überhaupt kein Interesse, zu den Aufsichtsratsitzungen zu gehen und sich 'einzumischen', sondern hatten dem Modell nur zugestimmt, da sie darin die einzige Chance gesehen hatten, dass die Häuser nicht geräumt würden. Bei einem Interview mit Vertretern des VEREINS ZUR ERFORSCHUNG UND DARSTELLUNG DER GESCHICHTE KREUZBERGS E. V. erklärte einer der Bewohner genau dieses Phänomen. Die Bewohner des Hauses hatten einfach nur möglichst geringe Mieten erreichen wollen, daher hatten sie bei der Sanierung auch nur das nötigste machen lassen und  wären nie zu den Sitzungen gegangen; da aber eine Genossenschaft auf dem Prinzip beruht, dass alle gemeinsam die Kosten tragen, hatten sie nicht daran gedacht, dass die teilweise recht teure Modernisierung der anderen Häuser unweigerlich auch zu einem Anstieg der eigenen Miete führen würde und sich des eigenen Mitspracherechts aufgrund von mangelndem Interesse enthoben.                 
                                                                                                           
Die 1982 zur Übergabe der Häuser an STATTBAU von den Besetzern gegründeten Hausvereine existieren auch heute noch und dienen den Hausgemeinschaften als formaler Rahmen bei der Vertretung nach außen. So existiert z. B. seit 1982 in der Manteuffelstr. 40/41 der Verein ManCo e.V., welcher ab 1988 mit der Luisenstadt eG. einen Hauptmietvertrag hatte.
                                                                       
Die Luisenstadt eG unterstützt das Gründen von Hausvereinen, da es für sie in der Verwaltung bequemer ist - die Vereine müssen sich selbst um die hausinterne Abrechnung der Mieten und Nebenkosten im Haus kümmern. Diese Verantwortungsübergabe wird von der Luisenstadt eG in ihrer Satzung wie folgt beschrieben:

                                                        
,,Gegenstand des Unternehmens ist der Erwerb von bebauten oder unbebauten Grund-stücken in Berlin Kreuzberg, der Übernahme von Nutzungsrechten an bebauten Grund-stücken und die Bewirtschaftung derselben. Bei der Bewirtschaftung soll die Genossenschaft in besonderem Maße ihren Mitgliedern hausbezogene Selbstverwaltungsaufgaben übertragen.“

 

Aus: Susanne Bücher
Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer
Eine Fallstudie zum Wandel alternativer Lebensräume am Beispiel der Luisenstadt Genossenschaft Berlin-Kreuzberg. Hausarbeit im Rahmen der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien, Greifswald, 2005